
Wissenschaftler der Freien Universität haben am Dienstag in Berlin eine Datenbank vorgestellt, in der die Schicksalswege aller in der NS-Zeit als „entartet“ aus Museumsbesitz beschlagnahmten Kunstwerken rekonstruiert werden. Die Dokumentation der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ am Kunsthistorischen Institut umfasst mehr als 21.000 Datensätze zu Gemälden, Plastiken und Druckgraphiken, die 1937 von den Nationalsozialisten im Rahmen der gleichnamigen Aktion als „entartet“ verfemt und beschlagnahmt wurden.
Betroffen waren damals etwa 1400 Künstler – von Ernst Barlach und Max Beckmann über Marc Chagall, Franz Marc und Emil Nolde bis zu Oskar Schlemmer. Die Ergebnisse der Recherchen werden vom 21. April an erstmals kostenfrei im Internet abrufbar sein.Beschlagnahmeinventar dokumentiert das Schicksal von mehr als 21.000 Kunstwerken.
Bild: Lichtkunst „In sich vertiefen“ © Werner Zirckel
Die Beschlagnahme der "Entarteten Kunst" 1937 und ihre Folgen Ab 1933 wurden die Museumsdirektoren, die moderne Kunst gesammelt hatten, aus ihren Ämtern entlassen und durch andere ersetzt, die im günstigsten Fall die Sammlung in gemäßigter Form fortsetzten, meist aber die Moderne ins Depot verbannten und teilweise sogar die Ankäufe ihrer Vorgänger in „Schandausstellungen“ diffamierten. Zahlreiche Werke wurden aus Überzeugung oder aus Vorsicht ins Depot verbannt, Dauerleihgaben und teilweise sogar Schenkungen wurden zurückgegeben, Figurenbilder durch weniger anstößige Landschaften und Stillleben ersetzt. Einige Museen begannen auch, moderne Kunstwerke zu verkaufen.
Quelle: Pressemitteilung der Freien Universität Berlin - Nr. 99/2010 vom 20.04.2010
Weiterführende Informationen unter: http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/db_entart_kunst/index.html
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