Massenkunsthaltung oder Intensivnutzung (Saatchi-Gallery) bezeichnet die technisierte Form der Kunstzucht und Kunsterhaltung zur massenhaften Erzeugung teilweise pseudokünstlerischer Werke der Malerei, Skulptur, Objektkunst oder Fotografie. Dabei erfolgt die Haltung von vielen Künstlern (mehr als 80.000) auf sehr begrenztem Raum, wobei eine genaue Bestimmung der Zahl der Künstler, welche als Massenkunsthaltung gilt, nicht existiert.
Die Lieblosigkeit und Unwürdigkeit der Massenkunsthaltung ist mit ARTgerechter Kunstvermarktung nicht vereinbar.
Durch manipulierte Umfragen wird der Wert der Kunstware gesteigert. Je größer der Freundes- und Bekanntenkreis, desto höher ist der scheinbare Qualitätsanspruch (kann man bei J. Meese wirklich von Qualität sprechen? Oder erliegt man hier nur dem Reiz des Neuen!)(1) an das Kunstwerk und an den Künstler. Hier entsteht für das Künstlervieh die Chance im Massen-Kulturtempel präsentiert und hochwertig vermarktet zu werden.
Warum sollte man sich also Sorgen machen, wenn Messen, Auktionen und private Kunstsammler und in deren Gefolge die öffentlichen Museen den Kunstmarkt bestimmen.
Die Unbarmherzigkeit mit der Sammler wie insbesondere Saatchi, Würth oder Burda den Kunstmarkt direkt und indirekt in ihren Kunsttempeln bestimmen und somit die öffentliche Meinung und Wahrnehmung in der zeitgenössische Kunst manipulieren ist Kalkül.
Nur so lässt sich eine sichere Wertsteigerung der eigenen Sammlung sicherstellen.
Sie entscheiden – was früher den Museen vorbehalten war – über „gute oder schlechte“ Kunst.
Vermarktbare Kunst produziert in der Massenhaltung: die Hoffnung der KünstlerInnen an das große Geld zu kommen, wer kann es ihnen verübeln?
(1) http://de.wikipedia.org/wiki/Jonathan_Meese
Meeses Arbeit beinhaltet den mitunter aggressiven Versuch, deutsche Mythologie und „deutschen Wahn“ auf neue Wege zu führen.
"Alles ist Spielzeug. Das ist alles gewesen. Ob Kommunismus, Nationalsozialismus, das alte Ägypten oder das alte Rom, nichts kommt wieder. Von der Straße kann ich mir auch keine Revolution mehr erhoffen, der Mensch schafft das nicht. Wir sollten etwas anderes sich lostreten lassen, der Vulkan der Kunst möge ausbrechen."
Fotografie von Uwe H.Schmidt, Bildtitel: Dollar + Euro Raum
Kommentare
Hirst - Kunst als risikofreie Kapitalanlage
Damien Hirsts Kunst-Coup war ein voller Erfolg. Der Direktverkauf seiner Werke brach alle alle Rekorde in London bei „Sotheby´s. Der Künstler ist um 140 Millionen Euro reicher.
Neue Verkaufswege praktiziert Hirst. Er schaltet die Galerien aus und sparte sich damit die
50 %ige Kommission. Reiner Profit, abzüglich der nicht zu kleinen Versteigerungsprovision. Der 43-jährige Brite sagte, der Verkauf über ein Auktionshaus sei ein demokratischerer Weg. „Der Markt ist größer, als alle glauben“, sagte Hirst in einer ersten Reaktion. „Ich liebe Kunst, und das hier beweist, dass ich nicht allein bin, und dass die Zukunft für alle großartig aussieht.“
Was meint er damit?
Hirst ist Künstler und Vermarktungskünstler in einer Person – Geniale Geschäftsidee zum einschmelzen und konservieren in Formaldehyd.
Bestimmt werden wir bald eine Menge Hornochsen von arroganten Bänkern und anderen Landplagen eingeschmolzen in Acryl angeboten und zu sehen bekommen.
Das wäre im wahrsten Sinne des Wortes eine risikofreie Kapitalanlage!
Preis - Werte: Kunst
Eine Wertediskussion in der Kunst, für die Kunst, über die Kunst, vor der Kunst und vor allem mit der Kunst erscheint mir immerwährend wichtig. Vielleicht könnte jeder für sich zu eigentlichen Werten kommen, in dem er/sie zunächst einmal ausschließt, was nachhaltig für die nächsten Generationen nicht gewollt wird:
"Wer die Welt nur ökonomisch erklärt, wird eine junge Generation bekommen, die von allem den Preis und von nichts den Wert kennt." (Johannes Rau bei einem Besuch in der bayerischen Staatskanzlei)
Der Kunst ist allerdigs etwas möglich, was den meisten Bereichen dieser Welt verwehrt ist: Die Autonomie. Mit und ohne Geld.
Wir, die mit der Kunst, in der Kunst, über die Kunst, vor der Kunst und für die Kunst leben, entscheiden uns für einen eigenen Wertekatalog, leben diesen, verändern diesen. Wir haben Leitgedanken und Leitlinien, bringen diese in die Kunst und die Welt und hoffen, unsere Autonomie nicht zu verlieren.
Geld und Geltung sind dabei existentielle Hoffnungsträger und existentielle Autonomiekiller: Wenn die intrinsische motivierte Kunst (autonome Kunst) zuviel Außenwahrnehmung, Außensteuerung und Nachfrage erhält, kippt der Wert zum Preis und die Kunst ist den Preis nicht wert.
Spagat zwischen der „WARE“ und „WAHRE Kunst“
Saatchi, der Altmeister des Spagats, zeigt es uns wie's geht oder auch nicht. Der Spagat zwischen vergangener Sammlerleidenschaft und den neuesten Strömungen in der Kunst- und Medienwelt.
Immer noch ein schöner und für ihn gänzlich schmerzfreier Spagat, weil die Kunst nach seiner Methode und Differenzierung unvorstellbare Größenordnungen in Euro/Dollar – Werten erreicht hat. Vielleicht entwickelt sich Saatschi in den nächsten Jahren zu einem gigantischen virtuellen Museum untergegangener Kulturen und wir alle funktionieren darin nur noch auf Knopfdruck …- Klick!
Deshalb ist es bedauerlich, wenn das bedeutendste Kunstmagazin „art“, in Deutschland, keinen einzigen kritischen Kommentar der Massenkunstvermarktung zur „Ware Kunst“ im Interview mit der Geschäftsführerin der Kunstcommunity von Saatchi über die „Wahre Kunst“ führt.
Highlight „Lieblink“ besser „Lieblinge der Anzeigewerbung“. Die Lieblink-Serie von „art“ wird von nun an jeden Dienstag neue Anzeigen schalten.
Wetten das…? – die nächste Anzeigelieblinge liegen schon fest: Burda, Würth, LUMAS...!
Böses denkt, wenn nun auch noch in den Kunstzeitschriften an erster Stelle der Profit von Werbeeinnahmen und von Anzeigen steht.
art-ig – abbestellt!