Danke M. Reich-Ranicki!

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FernsehpreisLiteraturkritiker Marcel Reich-Ranicki hat bei der Verleihung des Deutschen Fernsehpreises für einen Knall gesorgt: „Es ist schlimm, dass ich das erleben musste.“ Er habe viele schöne Fernsehabende, zum Beispiel bei Arte, verbracht. „Aber nicht diesen Blödsinn.“

Es ist wirklich schlimm, diese blödsinnigen und erbärmlichen TV- Sendungen noch mit Auszeichnungen zu bedienen. Man kann nur hoffen, dass die Tat von Marcel Reich-Ranicki nachwirkt und die Verantwortlichen der TV- Sender über Qualitätsansprüche nachdenken.

Es ist höchste Zeit, die Übertragungsrate von Kulturanteilen zumindest in den Öffentlich- Rechtlichen TV – Anstalten forciert voranzutreiben. Dabei sollte auch die Gegenwartskunst im Focus stehen.

Regelmäßige Kultursendungen in den Öffentlich- Rechtlichen Fernsehanstalten (ARD / ZDF / arte / 3 Sat / Phoenix) im Stile eines literarischen Quartetts würden neue Gesichtspunkte in die Betrachtungsweise zeitgenössischer Kunst bringen.

Keine kunsthistorischen Abhandlungen, sondern Kunstkritik, die heute stattfindet, weil das kunstinteressierte Publikum und die Käuferschichten heute über die Hintergründe und Wertigkeit moderner Kunst informiert werden möchte. Es würde nicht nur eine Orientierung bieten wie sich eine Gegenwartskunst beurteilen lässt, sondern es würde ein Plädoyer für eine neue ästhetische Wertedebatte in der zeitgenössischen Kunst auslösen.

Aber wo stecken die qualifizierten Kunstkritiker der Gegenwartskunst? Die Bildende Kunst braucht anerkannte, neutrale Kritiker die hochwertig wie in der Literatur die Gegenwartskunst beurteilen. Die unabhängigen Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki oder ein Hellmuth Karasek wären für die Gegenwartskunst ein Segen.

Kommentare

Bild von chrimafee

"Der Geschmack der Menge" - oder...

...die "Regeln der Kunst"?

Polyklet, * um 480 vor Christus, schuf zwei Skulpturen zum selben Thema. Eine entstand nach den "Regeln der Kunst", das andere Werk entstand nach dem "Geschmack der Menge".
Dann stellte er die beiden Werke aus. Die eine Skulptur wurde von allen gelobt, die andere ausgelacht.
Daraufhin sagte Polyklet: "Die Skulptur, die ihr kritisiert, habt Ihr selbst erschaffen, wohingegen die, die ihr bewundert, von mir stammt." Aelian, Varia historia XIV,8

Das war ein engagierter Künstler! Das war einer, der wusste was er tat, an sich glaubte und sich der öffentlichen Meinung für einen solchen Disput stellte!

Wo sind diese "Künstler mit Qualität", mit dem Know-how für die "Regeln der Kunst" und mit dem Mut zur eigenen Qualitätskritik?
Wie würde die Meinung heute ausfallen? Ist nicht heute der "Kunst-Kunde" Ästhetik-König, so dass gezeigt wird, was allgemein leicht gefällt und/oder den Mainstream bedient?

Mir scheint, es geht wie immer um's Geld. Bei allen: Künstler, Kritiker, Galeristen, Kunden, Presse etc. , ganz existentiell egoistisch.

Reich-Ranicki braucht's Geld nicht mehr.
Er will nur noch aktives Leben und einen weiteren Belehrungs-Auftritt im Fernsehen. Er nimmt möglicherweise nach dem Auftrittsangebot den Preis dann doch!!!! Gegen alle anderen vorher gemachten Negativ-Aussagen zeigte er sich jetzt schon nur beglückt egoistisch hofiert!:

Aufgestanden, geoutet und umgefallen!
Jetzt wäre er nicht mehr ernst zu nehmen. Schade.

Mein Fazit: Qualität erscheint authentisch! Egal wobei. Jedoch die Haltung überzeugt.

Bild von chrimafee

Die Haltung überzeugt.

Freitag um 22.30 Uhr zeigt das ZDF Reich-Ranickis Haltung:
Er bleibt bei seiner Ablehnung: "Ich habe nichts zu bereuen, ich nehme nichts zurück", sagt er, laut NWZ.

Hut ab, Herr Reich-Ranicki, der Kultur-Evolutionsknall ist aus meiner Sicht gelungen!

Gucken wir anderen doch nun einfach wieder neugierig weiter zu, was sich verändert!
Oder?

Bild von chrimafee

Ach ja, ich habe ja gar keinen Hut!...

... und keine Lust auf selbstgerechte, rückgewandte, elitäre Kritiker mit PR-Programm für die eigene Buchverfilmung.
Nach der Ausstrahlung der Erklärung von MRR hat sich bei mir schon entschieden was verändert, nämlich: « Si tacuisses, philosophus manisses. « (Hättest du geschwiegen, wärest du {ein} Philosoph geblieben)

Bild von chrimafee

Werbeikone MRR

Nach seiner "Sichselbstvermarktung" als Werbeträger für die Telekom und Ryanair, hoffe ich auf einen 30-minütigen "Werbespott" im Fernsehen.

Soweit zum Thema "Qualität und Haltung".

Bild von Liedel

Deutscher Fernsehpreis

Die Kardinalfragen lauten:
Wie ist es möglich, dass niveaulose Sendungen hohe Einschaltquoten erzielen ?
Wie ist es möglich, dass Boulevardjournalismus, der niedrige Bedürfnisse befriedigt, hohe Auflagen in den Printmedien erzielt ?
Liegt es an einem niedrigen Bildungsniveau der Masse, die sich von Banalitäten täuschen läßt und durch Klatsch verführen läßt ? Oder zeigt die fortwährend aktive Verblödungsmaschinerie bereits Wirkung, so dass nicht mehr zwischen Qualität und Schund unterschieden werden kann?
Haben die Fernsehprogrammgestalter ihre Verantwortung für die Zuschauer dem schnöden Mammon geopfert ?
Wo bleibt der Protest der kritischen Minderheit unter dem Publikum. Muss erst ein 88jähriger
den Anstoß geben?
Sollte nicht der Gebührenzahler im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ein Mitspracherecht bei der Programmgestaltung erhalten? Schließlich wird mit seinem Geld das Programm finanziert.
Wer schützt Kinder und Jugendliche vor schädlichen Sendungen ?
Welches schiefe Weltbild wird eigentlich durch das Fernsehen vermittelt? Eine Welt der
Schönen und Reichen, die nur von der einen Sorge gequält werden, nämlich sich
permanent zu amüsieren?

Fragen über Fragen. Und alle Fragen bleiben offen ? Sie sollten beantwortet werden
und zwar schnell!

Bild von pirio

Voyerismus

Ich sehe einen Grund für die ständig zunehmende Anzahl an Verblödungssendungen im ständig steigenden Bedürfnis an Voyerismus in der heutigen Gesellschaft. Es ist doch bequem vom heimatlichen Sofa aus das Schicksal der Anderen zu begaffen. Sei es bei Hochzeiten, Privatinsolvenzen, Castingsshows oder sogar Unfällen. Live dabei und ohne sich Gedanken zu machen - ganz einfach niveaulose Beiträge kritiklos konsumieren. Man wiegt sein eigenes Schicksal in Sicherheit und lässt die anderen leiden, freuen und bald wahrscheinlich auch noch sterben. Ist doch einfach oder? Schließlich kann man vom mündigen Gebührenzahler doch nicht erwarten sich Gedanken zu machen, über das was er/sie konsumiert. Genau wie das Wasser sucht sich die Massen den Weg des geringsten Widerstandes. Konsumieren anstatt Reflektieren, Passiv anstatt Aktiv.