
Ein Bericht von Philipe Jacintus, Übersetzung von Eduard Kremmerz in der Zusammenarbeit mit der Online-Galerie artnori.
Philipe Jacintus beschreibt die Entstehung eines Kunstwerks am Beispiel des Künstlers Lars Herrmann. Auf einige Aspekte der Herrmann`schen Kunst wird eingegangen, um zu versuchen, die Gedankengänge und Empfindungen des Künstlers für Jedermann zugänglich zu machen.
Zitat: Wang Qiang
"Der Künstler ist gar nicht in der Lage, umfassend zu erklären, wie die eigenen Ideen und Vorstellungen mit dem künstlerischen Ergebnis zusammenhängen".
Im Wesentlichen befasst sich die Kunst von Lars Hermann mit der Mythik.
Das bedeutet nicht, dass jedes Bild die Darstellung einer Mythe ist. Vielmehr speist sich das mythische Geschehen aus unterschiedlichen Quellen, die sich im Zustand der Inspiration oder während der Arbeit bildhaft verdichten.
Der Begriff mythisches Geschehen soll hier weit gefasst werden. Dazu zählen: Tag- und Nachtträume, visuelle Assoziationen und Gedankenspiele mit Worten. Aber auch die nach innen gewandte Selbsterforschung. Die Quellen, aus denen der Künstler schöpft, sind bildhaft und/oder literarisch. Sie können in der Außen- oder Innenschau erschlossen werden.
Externe visuelle Quellen sind die Kunstwerke der Gattungen und Epochen der Kunstgeschichte.
Intern, der innere Formenschatz, der im Laufe des Lebens anwächst. Er drängt ständig zur Darstellung. Meist sind das Dinge, die seit der Kindheit anziehend auf ihn wirken wie Wasser, altes Holz, gesplitterter Stein oder der Mensch und der Baum. Man könnte sie seine Archetypen nennen. Sie erzählen im Bildthema häufig ihre eigene Geschichte – die Konstanz des Wandels der Dinge.
Als Grenzbereiche der Innen- und Außenschau sind die Literatur und das Selbstporträt zu nennen, da hier Externes mit vorgestellten internen Bildern zusammentrifft. Beide sind bildhaft und literarisch.
Man kann also generell von einem äußeren und einem inneren Bildthema sprechen. Das innere Thema ist immer vorhanden. Es wird umhüllt vom jeweils aktuellen Inhalt. Die genannte Schematisierung des Inhaltes ist nicht als starres Konzept zu verstehen, sondern die einzelnen Elemente durchdringen sich. Sie wirken im künstlerischen Prozess der Bildfindung zusammen und greifen ineinander.
Die getrennte Benennung und Betrachtung der allgemeinen Inhaltsbestandteile wurde vorgenommen, um dem Kunstfreund eine Hilfe zur Betrachtung und ersten Interpretation in die Hand zu geben.
Es bleibt dem Betrachter überlassen, sich weitere Ebenen der Bildbedeutung zu erschließen.
Es seien noch zwei Zitate angeführt, die den Künstler von ungenügender Selbstanalyse freisprechen sollen. Gleichwohl sollen sie den Leser zu tieferer Anschauung animieren.
Zitat: Li Xianting
"Der Künstler geht eine dialektische Beziehung zu seinem Kunstwerk ein, indem er es einerseits bewusst konstruiert und andererseits dem Zufall der natürlichen Intuition unterworfen ist".
Zitat: Wang Qiang
"Zwischen Künstler, Kunstwerk und Betrachter besteht eine triadische Beziehung. Die jeweilige Distanz ist gleich groß. Der Künstler ist gelassen. Nach getaner Arbeit überlässt er Werk und Betrachter sich selbst, um diese Distanzen erfahrbar zu machen".

Bild: Zeichnung von Lars Herrmann
Aus der Serie „Wüstenplanet“
Technik: Kugelschreiber auf Papier
Abmessung: 26x35
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