
Wenn Erwin Wurm eine Form aus der unerschöpflichen Asservatenkammer des Gegenständlichen herausgreift und zum Gegenstand seiner Bildnerei macht, dann wird dieses Ding zu etwas anderem und trägt fortan einen weiteren, besonderen Sinn mit sich. Autos, Kartoffeln, Gurken, Kleidung, um nur einige Objekte aus der Welt des Realen zu nennen, hat er in seinen Skulpturen „behandelt“, sie in ihrem Sinn verdreht und so neue Bilder gewonnen.
Titelbild: Erwin Wurm, Butterbrot II, 2005 (C) VG Bild-Kunst Bonn, 2009
Der Gedanke des Performativen spielt dabei eine wesentliche Rolle. So verwandelt er scheinbar banale Situationen, Gesten oder Handlungen in „One Minute Sculptures“ zu Ausdrucksformen einer „verfestigten Zeit“.
Allein einen Gestus über eine Minute lang auszuhalten, verdeutlicht Sinnbezüge, die in der Geschwindigkeit des „normalen“ Ablaufs verloren gehen. Fotografien helfen, die plastischen Situationen zu bannen und in Bildern zu verdichten. Ähnliches kann sich auch in Filmen ereignen: Ein Mann steht unbeweglich von Sonnenaufgang bis -untergang und wird so durch die eingefangene Dauer zur Skulptur, fester, konstanter als die Sonne, die während dessen ihren Bogen zieht. Autos werden unter dem scharfen, auch ironischen Blick des Bildhauers zu „schrägen“ Objekten, indem sie sich verbiegen, seitlich neigen, an der Wand lehnen, oder wie im Film zu sehen ist, Hauswände emporfahren und das Lot- wie Waagrechte verkehren. Von all dem wird die Ausstellung im Kunstbau „bebildert“ sein. Der vielfältige Umgang mit „Skulptur“ soll dabei zur Anschauung kommen, in einem ungeschiedenen Nebeneinander der Ausdrucksmöglichkeiten, die Wurm insbesondere in den letzten sieben Jahren entwickelt hat.
Hierzu zählen neben den genannten plastischen Formen auch Texte, einfache Sätze und Behauptungen, die auf plakative Weise populistische Gedanken zum Ausdruck bringen. Wurm begreift diese Sprüche als eine Form „sozialer Plastik“, die den Widerspruch in sich birgt. So wird es einen Katalogbeitrag geben, in dem Wurm die an ihn gerichteten Fragen mit Fragen beantwortet.
Nach der Präsentation im Lenbachhaus Kunstbau, München, wird die Ausstellung auch im Kunstmuseum Bonn, im Museum Sammlung Essl in Klosterneuburg bei Wien, sowie im Ullens Center for Contemporary Art Beijing, China zu sehen sein.
Kurator: Helmut Friedel, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus München
PUBLIKATION Zur Ausstellung erscheint ein Künstlerbuch im Dumont Verlag, 336 Seiten, reich bebildert, mit Essays von Helmut Friedel, Stephan Berg, Franz Schuh u.a. ERWIN WURM
Kunstausstellung: 17. OKTOBER 2009 bis 31. JANUAR 2010 Lenbachhaus Kunstbau
Quelle: Kunstbau Königsplatz / U-Bahn-Zwischengeschoss / 80333 München
Eröffnung: Freitag, 16. OKTOBER, 19:30 h
Öffnungszeiten: Di. bis So. 10 BIS 18 h
Weiterführende Informationen unter: http://www.lenbachhaus.de/cms/index.php?id=58&tx_ttnews[tt_news]=152&tx_ttnews[backPid]=1&cHash=7ac8fb777e
Kommentare
Gespräch mit Erwin Wurm am 12. 01.2010
Helmut Friedel, Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus
im Gespräch mit Erwin Wurm:
Dienstag den 12. Januar 2010, 19 Uhr anlässlich der Ausstellung ERWIN WURM
Aufbau Wurm
Wenn Erwin Wurm eine Form aus der unerschöpflichen Asservatenkammer des Gegenständlichen herausgreift und zum Gegenstand seiner Bildnerei macht, dann wird dieses Ding zu etwas anderem und trägt fortan einen weiteren, besonderen Sinn mit sich. Autos, Kartoffeln, Gurken, Kleidung, um nur einige Objekte aus der Welt des Realen zu nennen, hat er in seinen Skulpturen "behandelt", sie in ihrem Sinn verdreht und so neue Bilder gewonnen.
Der Gedanke des Performativen spielt dabei eine wesentliche Rolle. So verwandelt er scheinbar banale Situationen, Gesten oder Handlungen in "One Minute Sculptures" zu Ausdrucksformen einer "verfestigten Zeit". Allein einen Gestus über eine Minute lang
auszuhalten, verdeutlicht Sinnbezüge, die in der Geschwindigkeit des "normalen" Ablaufs verloren gehen. Fotografien helfen, die plastischen Situationen zu bannen und in Bildern zu verdichten. Ähnliches kann sich auch in Filmen ereignen: Ein Mann steht unbeweglich von Sonnenaufgang bis -untergang und wird so durch die eingefangene Dauer zur Skulptur,
fester, konstanter als die Sonne, die während dessen ihren Bogen zieht.
Autos werden unter dem scharfen, auch ironischen Blick des Bildhauers zu "schrägen" Objekten, indem sie sich verbiegen, seitlich neigen, an der Wand lehnen, oder wie im Film zu sehen ist, Hauswände emporfahren und das Lot- wie Waagrechte verkehren.
Nach der Präsentation im Lenbachhaus Kunstbau, München, wird die Ausstellung auch im Kunstmuseum Bonn, im Museum Sammlung Essl in Klosterneuburg bei Wien, sowie im Ullens Center for Contemporary Art Beijing, China zu sehen sein.
Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen.
17. OKTOBER 2009 BIS 31. JANUAR 2010
KUNSTBAU MÜNCHEN*
Zwischengeschoß der U-Bahnstation Königsplatz
80333 München
DIENSTAG BIS SONNTAG, 10 BIS 18 UHR
Erwin Wurm in München- ein Erlebnis!
Die Ausstellung im Lehnbachhaus sollte man unbedingt gesehen haben! Sie bietet überraschende Momente, von Interaktion bis zu Objekt- und Videokunst. Besonders die rosafarbenen Aktionsplatt-formen vom Vollidioten bis zu Leibesübungen, wie Nasebohren, fordern den Besucher auf, sich in den künstlerischen Prozess einzubringen. Sehr empfehlenswert!
Nikolausgrüße
Luna