Fürther Weitblick

Bild von Ikone
Fürther Weitblick

Günter Derleths Camera obscura im Rathausturm

Fürths Wahrzeichen, der weithin sichtbare, 1845-1850 nach Plänen von Georg Friedrich Bürklein errichtete Rathausturm war Kulisse der großen Silvesterfeier, die das 1000-jährige Stadtjubiläum einleitete. Nun soll er zum Ausklang des Jubeljahres Schauplatz einer spektakulären Fotoaktion werden, die als Hommage an die Stadt gedacht ist.

Ab dem 10. Dezember 2007 richtet der Lochkamera-Fotograf Günter Derleth im obersten Stockwerk des Rathausturmes eine begehbare Camera obscura ein. Derartige Räume bildeten die Ursprungsform, aus der sich die Lochkamerafotografie im 19. Jahrhundert entwickelte: ein Zimmer, in dem nur durch ein kleines Loch die Außenwelt auf der jeweils gegenüber liegenden Innenwand seitenverkehrt und auf dem Kopf stehend sichtbar wird.
Um den in luftiger Höhe von ca. 50 m liegenden Raum lochkameratauglich zu machen, sind im Vorfeld einige Vorbereitungen nötig. Alle vier Fensteröffnungen des Stockwerks, sowie sämtliche Zugänge müssen absolut lichtdicht verschlossen werden, lediglich jeweils eines der Fenster wird mit einer winzigen Lichtöffnung versehen. Zur Fixierung des lichtempfindlichen Materials - hier mehrere Bahnen Fotopapier - an der Wand vis-à-vis ist die Konstruktion eines großen Holzgestells erforderlich, auf das Platten als Träger montiert werden. Das Anbringen des Papiers kann ähnlich wie in einer Dunkelkammer nur bei Rotlicht vonstatten gehen. Zusätzlich muss eine momentan noch in der Raummitte befindliche Stiege abgebaut werden.

Die Ergebnisse dieser Aktion werden Aufnahmen in alle vier Himmelsrichtungen über die Stadt und das Fürther Umland im beeindruckenden Format von ca. 3 x 4 m sein – ein Panorama, das bislang noch kaum ein Fürther zu Gesicht bekam. Erwarten kann man die für die Lochkamerafotos typischen Randunschärfen und -abdunklungen, sowie die immens atmosphärische Wirkung. Charakteristika, die ja in verschiedenen Camera obscura-Ausstellungen Günter Derleths bereits zu bestaunen waren.

Im Film festgehalten wird diese Camera obscura-Aktion von dem Fotografen und Filmemacher Herbert Liedel, der bereits seit Jahren das Schaffen von Günter Derleth dokumentiert.

Redaktion: Barbara Rök, Günter Derleth