
Die Tuschfederzeichnung gehört zur Serie der Zeitzeichnungen. Das Unterfangen und der Anspruch, Zeit in einem unbewegtem Bildwerk darstellen zu wollen, ist schwer zu bewerkstelligen. Wir haben Sinne für das Licht, Geräusche, Gerüche, Kälte, Wärme und Berührungen. Nicht aber für die Zeit. Die direkte Wahrnehmung von Zeit scheint uns erst dann möglich zu sein, wenn wir uns in einer Situation befinden, in welcher uns das unmittelbare Ende unserer eigenen Existenz bewusst wird. Die Zeitzeichnungen sind mein Versuch, ein Zeitlupe-Erlebnis, welches ich während eines schweren Autounfalles als junger Mann (März 1972) hatte, bildnerisch umzusetzen. Die von mir gefühlte Zeit dehnte sich hierbei fast bis zum Stillstand aus. Obwohl der Moment, in welchem sich das Fahrzeug mit zirka 130 Stundenkilometern mehrfach überschlug, nur wenige Sekunden andauerte. Für mich war es eine fesselnde Erfahrung, als in dieser kurzen Zeitspanne ganz viel von dem, was wir Zeit nennen, zur Verfügung stand. Sie hatte gar keine Ähnlichkeit mit einem rasenden "Etwas". Zeit stelle ich mir seitdem als einen Aggregat-Zustand vor, der sich bestenfalls schwebend bewegt. Bestehend aus unzähligen Zeit-Teilchen, welche in ihrer Ausdehnung immer "gleichzeitig" vorhanden sind. Überall. Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft scheinen für die Zeit keine Rolle zu spielen....
Irgendwann hat mal jemand gesagt: "Nicht die Zeit vergeht. Wir sind es, die vergehen. Die Zeit ist das Feuer, in dem wir verbrennen."
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