Knipswut oder künstlerische Fotografien

Bild von Roland Preuß

Der Kunstcharakter der Fotografie war lange Zeit umstritten. Die Fotografie wird aber heute als vollwertige Kunstform akzeptiert. Mit rasanter Zunahme der letzten Jahre von bedeutenden Fotoausstellungen, Aufnahmen von Fotos in Museen und Sammlungen auf internationaler Ebene, auch auf dem Kunstmarkt klettern die Preise von Werken renommierter Fotokünstler in astronomische Höhen.

Fotografie durchdringt mittlerweile unser gesamtes Leben, nimmt Einfluss auf unser Denken und Handeln. Längst hat die Fotografie ihre Grenzen der bloßen, scheinbaren Realitätswiedergabe gesprengt und ist zum übergreifenden Medium geworden, in dem sich die Verschmelzung mit anderen Kunstformen vollzogen hat.
Der Goslarer Kaiserring, einer der weltweit renommiertesten Preise für moderne Kunst wurde an den Fotokünstler Andreas Gursky vergeben. Vor Andreas Gursky haben diesen Preis unter anderem die weltbekannten Künstler Henry Moore, Max Ernst, Joseph Beuys, Georg Baselitz, Christo, Gerhard Richter, Jörg Immendorff uva. erhalten.
Der Kunstpreis des Goslarer Kaiserrings an einen Fotokünstler nimmt einen besonderen Stellenwert in der Kunstgeschichte ein.
So entwickelt sich eine spannende Bandbreite der unterschiedlichen fotografischen Ausdrucksformen von der klassischen Lichtbildnerei bis zur abstakten digitalen Präsentation.

Auch wenn die Kunstgeister heutzutage sich noch scheiden, ist es nur eine Frage der Zeit, wann mit neuen hochwertigen digitalisierten Kameramodellen mit extrem hohen Auflösungen, mit neuen Bildverarbeitungs- und Erzeugungsprogrammen neue Bilderwelten entstehen, die unsere Vorstellungskraft übersteigen.

Noch stehen wir am Anfang der Entwicklung. Aber die Interaktion, der dynamische Prozess der modernen fotografischen Weltkunst zwischen internationalen Kunstkäufer, Künstlern, Galerien und Kunsthandel ist sicherlich etwas Revolutionäres.
Eine große Chance für Künstler in der vielfältigen modernen Fotokunst, nicht nur von Königsmachern und elitären Kunstgemeinschaften Trends aufzwingen und festschreiben zu lassen.

Aber es gilt auch, nicht die Augen zu verschließen vor den Konsequenzen und Gefahren der Freigabe der Urheberrechte, unlimitierten Auflagen, die in der Fotokunstszene von Vermarktungs- und Konsumtreibern als zeitgenössischer Kunstfotografien genutzt werden könnten.

Die Frage nach der Bedeutung zeichnet die Fotokunst aus.
Gute Fotokunst lädt den Betrachter zur Deutung ein.
Die Knipswut und Massenbildproduktionen in der Lichtbildnerei der digitalen Welt und der unlimitierten Reproduktionen sollten keinen Stellenwert haben in der zeitgenössischen Fotokunst. Damit wird die Akzeptanz der künstlerischen Fotografie als Bestandteil der Bildenden Kunst erheblich geschmälert.

Kommentare

Bild von artnori

Aber was ist Fotokunst?

Wie wird Fotokunst künstlerisch definiert? Welche fachkompetenten Kritiker setzen sich mit dieser Kunstform auseinander und wagen den Schritt, die wahre Fotokunst vom Knipsen kritisch zu unterscheiden und zu beurteilen?
Hier sind Kritiker gefragt nicht nur mit einem ausgeprägten, künstlerischen Feingefühl sondern sie müssen auch ausgestattet sein mit einer fundierten technischen, Fotografischen Fachkompetenz.
Außerdem fällt auf, dass die Namen von Fotokünstlern von Rang in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind. Daraus folgt, dass qualifizierte Kritiker wenig Anreiz sehen, sich mit no names in der Fotokunst zu beschäftigen?

Notwendiger denn je, sich mit diesem Thema der sachkundigen Kritik an Fotografien auseinander zu setzen. Grundsätzlich kann bei der künstlerischen Fotografie das Foto auch als Werk bezeichnet werden und ist als bildende Kunst zu verstehen, was viele regionale Kultureinrichtungen noch nicht nachvollziehen können.