Kommentar zu einer Ausstellung

Bild von dorobreger

»Doro Bregers Arbeiten entstehen an der Grenze von
Fotografie und Malerei. Sie sind weder ›nachbearbeitete‹
Fotografien noch Material-Collagen, sondern genuine
Grenzüberschreitungen: Bilder aus Bildern, gewonnene
Intensitäten, Produkte eines völlig aus dem digitalen Material
schöpfenden Sehens. Die Darstellungsprinzipien, zu denen
die Künstlerin sich bekennt, lauten: Divergenz, Transparenz,
Transluzenz, klare Trennung, Transversalität.
Die Bedeutung, die sie diesen Ausdrücken gibt, wird in ihren
Foto-Graphien anschaulich. Auffallend ist die diaphane
Struktur, das Durchsichtig-Werden aller Motive auf Anderes.
Dieses Andere ist nicht einfach ›Psyche‹, sondern schwebende
Realität, die beim Betrachter heftige Reaktionen hervorrufen
kann. Doro Bregers Bilder wirken unmittelbar, sie bedürfen
weder der Bildunterschriften noch der Kenntnis abstrakter
Konzepte. Darin liegt ihre Stärke.

Die Künstlerin selbst verhält und äußert sich zu der Wechselwirkung
des Innen und Außen in geradezu performativer
Weise: ›Während ich in meiner Arbeit Wegbegleiterin auf der
Reise zum inneren Verstehen bin, ist meine künstlerische
Tätigkeit mit äußeren Reisen verbunden. Der Ortswechsel
bedeutet immer auch einen Perspektivwechsel, er verändert
den Blick auf die Welt und die Dinge, die es in und auf ihr
gibt.‹ Darin wird die Wahrnehmungsrezeptur des Gegenwartsmenschen
erkennbar, deren Muster jedoch in älteste
Zeiten unserer Kultur zurückreicht. Die Abbildung innerer
Reisen und Bewegtheiten auf solche, die man in der Welt
unternimmt und vice versa, ist im kulturellen Gedächtnis
wohl verwahrt und scheint in den Bildern unmittelbar auf.

Doro Bregers Bilder sind in New York und Tokio ebenso
sichtbar wie in Neu-Brandenburg und Castrop-Rauxel, denn
eines ihrer Medien ist das Internet. Das digitale Konzept
erlaubt diese Repräsentation ohne Abstriche an Sichtbarkeit
und Qualität. Eben deshalb ist es reizvoll und notwendig, sie
in wirklichen Räumen an wirklichen Wänden zu erkunden.
Um zu erfahren, in welcher Weise sich die Welt der Medien
mit der physischen Welt verbindet, in der wir leben.«

Anne Corvey