Minus 18 grad – laborative Tiefkühlkunst in Nürnberg

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NürnbergDie Nürnberger Nachrichten führten am 2. Februar ein Interview mit der Kulturreferentin Frau Prof. Dr. Lehner zum Thema:

“Die Großvorhaben der Kulturentwicklung in Nürnberg – Junge Kunst im Labor“!

Jeder Leser sollte sich sein eigenes Urteil bilden über die Gestaltungskraft in der Nürnberger Kulturszene, doch wer wegweisende Visionen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Artikel (NN 02.02.2008) zu lesen unter: http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=764799&kat=48

Nach dem Interview am 02.Februar folgte in den Nürnberger Nachrichten vom 05. Februar ein rechnerisches Paradebeispiel der steigenden Besucherzahlen in der Museumslandschaft Nürnberg.

Der Artikel mit der Überschrift: „Der Trend weist nach oben – Nürnberger Museen ziehen hervorragende Besucherbilanz“.

Zitat: „Mit Besuchereinbußen von 12.000 als im Vorjahr gehe der Trend kontinuierlich seit 2002 nach oben. Weniger als 567.000 wurden gezählt“. (NN 05.02.2008) Man sollte nicht unbedingt die Messlatte an der Kunst- und Kulturmetropole in Berlin anlegen, aber eine Zielvorstellung für eine positive und visionäre Entwicklung in der Nürnberger Kulturszene wäre doch auch aus wirtschaftlichen Gründen eine Herausforderung für die gesamte Region.

Insbesondere in der Metropolregion Nürnberg mit einem Einzugsgebiet von fast 3 Millionen Menschen sollten doch kulturelle Akzente gesetzt werden können, ohne dass die Kulturflucht der Menschen dauerhaft in die nationalen und internationalen Kunsthochburgen erfolgen muss.

In der Region von Albrecht Dürer tut kulturelle politische Änderung Not!

• Nürnberg besitzt das Germanische Nationalmuseum, eines der bedeutendsten Museen in Deutschland. Es besteht der Verdacht, dass das Museum zu wenig aus seiner exponierten Stellung macht. Zwar finden regelmäßig attraktive Ausstellungen statt, dennoch könnte das vorhandene Potential zugunsten internationaler Aufmerksamkeit weit mehr genutzt werden.

• Nürnberg und Umgebung besitzt hervorragende historische Gebäude, die besonders geeignet wären, große, individuelle zeitgenössische Ausstellungen zu präsentieren und zu arrangieren.

• Nürnberg besitzt ein Staatliches Museum für moderne Kunst und Design. Dieses Neue Museum ist ein architektonischer Prachtbau, integriert mitten in der Altstadt von Nürnberg ohne Leben und Inhalt. Ein Musterbeispiel an verknöcherten Museumsstrukturen ohne Innovationskraft und mutigen Kunstausstellungen

• Die klassischen Kunstgalerien in der Region stehen vor dem Aus. Ein Indiz dafür ist, dass durch die unzureichende kulturelle politische Entwicklung in der Region sich die potentiellen Käuferschichten zeitgenössischer Kunst woanders umschauen. Wer kauft schon moderne Kunst in Nürnberg?

• Gleiche Wege gehen die angesagten Künstlerinnen und Künstler. Sie verlagern ihre Schaffenskraft in die Kunstmetropolen in Berlin, Köln, Frankfurt, Düsseldorf oder München oder beteiligen sich an internationalen Ausschreibungen

• Die moderne Foto- und Digitalkunst findet in der Region Nürnberg ein unterbelichtetes Stiefmütterchendasein. Zwar sind in der Region Fotoausstellungen immer wieder zu sehen, dennoch hat man den Eindruck, dass im Gegensatz zu Nürnberg in anderen vergleichbaren Städten Fotoaktivitäten (Fototage/Symposien/Festivals in Mannheim, Stuttgart von Berlin, Hamburg, Köln gar nicht zu reden) geradezu aufblühen. In Nürnberg wird jedoch die wachsende weltweite Bedeutung der Fotografie nicht erkannt, geschweige die hervorragenden lokalen Fotokünstler (bis auf eine Ausnahme)durch Wettbewerbe gefördert.

Die Kunst der Zukunft wie Digitalkunst und Grafikdesign wird vollends ignoriert. Gerade in unserer globalen Welt erhalten kulturelle Standortvorteile eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die weitere erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung der Region. Auch die Presse schafft es nicht, kulturelle Ereignisse für die Kunst- und Kulturinteressierten einheitlich für die Städte in der Metropolregion Nürnberg zu koordinieren und über sie zu berichten.

Auch die spärlich erscheinende Museumszeitschrift als Informationsbeiblatt für Nürnberg hilft dieser Region keinen Schritt weiter. Eine kritische, frische kulturelle Berichterstattung der Kulturszene für jung und alt wäre nicht nur wünschenswert, sondern für das Gesamtinteresse der Metropolregion Nürnberg unbedingt notwendig.

Man weicht unwillkürlich auf die kulturelle Presselektüre der FAZ, SZ und die ZEIT aus. Die Nürnberger wollen wissen, was in Fürth, Erlangen, Bayreuth oder Bamberg los ist und umgekehrt. Eine gemeinsame überregionale Internetlandschaft für die Museen und Kunstveranstaltungen existiert nicht. Man wurschtelt und hangelt sich von Stadtserver zu Stadtserver und versucht mühselig irgendetwas Eindrucksvolles in Sachen Kunst und Kultur zu finden. Eine konzertierte kulturelle Entwicklungsstrategie in Form eines Gesamtkonzeptes fehlt, d.h. Organisation, Werbung, Berichterstattung über die kulturellen Top –Ereignisse, Ausstellungsplanung und Internetpräsentation in der Metropolregion Nürnberg existieren nicht.

Woran liegt es?

• Fehlt es an politischer Willenskraft oder stehen die eigenen Interessen im Vordergrund?

• Mangelt es an Visionen oder haben Kulturreferate keine Gestaltungskraft?

• Sind unzureichende politische Kulturkompetenzen (Amtsfüller / Kunstbürokraten) an der Misere schuld?

• Siegt der Klüngel und/oder die Ignoranz? Das Schlimme ist, dass man anscheinend nichts ändern kann und auch keiner es ändern will. Die Kulturpolitologen sitzen fest in ihren Ämtern und sind wohlwollend zementiert im Interesse des widerspruchslosen Kulturklüngels.

Was könnte unternommen werden in der Metropolregion Nürnberg?

1. Es sollte eine Bestandsaufnahme aller in der Metropolregion aktiven künstlerisch tätigen Kräfte gemacht werden, unterteilt nach ihren Schaffensgebieten

2. Erforschung der Willensbildung dieser Kräfte hinsichtlich der Außenwirkung ihres Schaffens

3. Bündelung der Vorschläge – Erstellen eines Businessplans der Kunst

Daraus folgt:

• Formulierung der Vision und der Zielsetzungen

• Entwicklung von realisierbaren Strategien

• Prüfung der Umsetzbarkeit und Finanzierung

• Ausschöpfung der Möglichkeiten gemeinsamer Aktionen unterschiedlicher Kunstbereiche zugunsten maximaler überregionaler Aufmerksamkeit

• großartige Ideen zum Leben erwecken und andere dafür begeistern. Dieser Bericht wurde erstellt nach Diskussionen mit einer Vielzahl von Künstlerinnen und Künstler und Kunstinteressierten aller Gesellschaftsschichten. Weiterführende Diskussionsthemen im Kunstportal „treffpunkt-kunstgalerie.de“

• Museum für zeitgenössische Kunst, die alle Generationen anspricht mehr: http://www.treffpunkt-kunstgalerie.de/museum-fuer-zeitgenoessische-kunst-alle-generationen-anspricht

• Schon bemerkt?: Museum Wiesbaden ist "Museum des Jahres 2007" - Gute Kunst in einer diffusen und nebulösen Museumslandschaft mehr: http://www.treffpunkt-kunstgalerie.de/schon-bemerkt-museum-wiesbaden-ist-museum-des-jahres-2007-gute-kunst-einer-diffusen-und-nebuloesen-m

• Kunsttipps und Termine in Baden und im Elsass von artnori.de und treffpunkt-kunstgalerie.de mehr: http://www.treffpunkt-kunstgalerie.de/kunsttipps-und-termine-baden-und-im-elsass-von-artnori-de-und-treffpunkt-kunstgalerie-de

Kommentare

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Ich brauche Anregungen aus den Regionen!

Der Bayerische Kultusminister Heubisch im Gespräch mit den Nürnberger Nachrichten.
Mit der suffizienten Aussage: „Ich brauche Anregungen aus der Region“!
Seihe Artikel vom 05.02.2009 der Nürnberger Nachrichten, Interview von Jens Voskamp:
http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=962747&kat=48&man=3

Auszug aus dem Interview :
Frage: „Zwei große Tanker der Nürnberger Kulturszene, das Germanische Nationalmuseum und das Neue Museum, dümpeln recht träge vor sich hin“…
Antwort des Ministers: „Ja, das sehe ich genauso“….

Da sind wir mal gespannt, mit welchen Ideen und Qualitätsansprüchen für eine verbesserte Kulturpolitik in der Region Nürnberg im Ministerium in München vorgesprochen wird.

Vielleicht haben Kulturpiraten die großen Tanker schon in Nürnberg gekapert.

Bild von TK plus 07

Uns ist zum Heulen zumute–Neues Museum in Nürnberg eingefroren!

Das Neue Museum in Nürnberg ist ein trauriges Kapitel. Die Besucherzahlen schwinden,
sie belaufen sich auf ca. 45 000 pro Jahr – eine traurige Tatsache ohne Hoffnung auf Besserung.
Die Museumsfachleute wissen längst:
Dort, wo Aktion ist, sind auch die Gäste. Die „gute alte Tante Museum“ mit ihren staubigen Vitrinen und langweiligen Kunstpräsentationen hat ausgedient. Die Besucher von heute verlangen eben neue, andere Formen, interessante Ansätze und überraschende Präsentationen.

Nach der Veröffentlichung: Stiftung Preußischer Kulturbesitz“ steigen die Besucherzahlen in den deutschen Museen:
„Die Museen in Deutschland haben im Jahr 2006 mit über 102,6 Millionen Besuchern ihre Besuchszahlen leicht um 1,2 Prozent gesteigert. Im Jahr davor waren es 101,4 Millionen Besucher. Zusammen mit den Einzelprojekten in den anderen Ausstellungshäusern wurden nun 109,7 Millionen Gäste gezählt, etwa so viel wie 2004“
Die Besucherzahlen werden sich auch für das Jahr 2008 noch steigern lassen.

Ein Museum gewinnt oder verliert vor allem mit seinem Konzept. Querdenker unter den Museumsfrauen und Männer sind gefragt, die andere Sichtweisen auf die Kunst und ihre Präsentation ermöglichen
Gerade kleine Museen können da wohl nur gewinnen, wenn sie sich künftig stärker mit anderen Häusern zusammenschließen
Es wäre vermutlich ein leichtes in enger Kooperation mit dem Germanischen Nationalmuseum mit dem Neuen Museum für zeitgenössischer Kunst und Design die Besucherzahlen von 45 000 auf 100 000 zu steigern. Aber wo man hinhört nur negative Kritik und Hoffnungslosigkeit!
Woran liegt es?
An der vielgepriesenen Geldnot oder an den uninteressanten Kunstausstellungen oder an der fränkischen Mentalität oder an der viel geäußerten zerstrittenen und mutlosen Gestaltungskompetenz oder an den eigensinnigen Kunstinstitutionen in Mittelfranken?

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400Handlungsempfehlungen für das kulturelle Leben in Deutschland

Die Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" beendet ihre Arbeit mit der Vorlage ihres Schlussberichts.
Der Bericht ist eine Bestandsaufnahme des kulturellen Lebens in Deutschland. Der Bericht mündete in über 400 Handlungsempfehlungen an den Gesetzgeber in Bund, Länder, Kommunen und Kulturschaffenden. Damit soll nicht nur die Gestaltungskraft belebt werden, sondern auch mit konkreten Verbesserungsvorschlägen, dass Kulturleben in Deutschland angekurbelt werden.

„Nach vierjähriger Tätigkeit hat die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ ihren Schlussbericht dem Präsidenten des Deutschen Bundestages übergeben. Mit der Debatte im Deutschen Bundestag wurde am 13. Dezember 2007 die seit dreißig Jahren umfassendste Untersuchung des kulturellen Lebens in Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Kommission legt mit dem Bericht einen Kulturkompass vor, der die Situation, die Probleme, aber auch die Chancen von Kultur und Kulturpolitik in Deutschland beschreibt“.

Auszug aus der Veröffentlichung des Deutschen Bundestags unter: http://www.bundestag.de/parlament/gremien/kommissionen/enqkultur/index.h...

Den Abschlußbericht der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" können Sie einsehen unter: http://www.bundestag.de/parlament/gremien/kommissionen/enqkultur/Schluss...

Der Bericht von über 500 Seiten ist abgeschlossen – die Umsetzung der Handlungsempfehlungen sollte beginnen.

Bild von chrimafee

Wer kennt schon Nürnberg? - Aber Emden kennt fast jeder!

Liebe Ikone,
zugegeben, meine Überschrift ist ironisch.
Aber dennoch und trotzdem: Eine 500.000- Einwohner-Stadt mit ihrem weitschweifigen Museumsangebot schafft es, die Besucherzahl der Museen auf stolze 567000 Besucher zu bringen. Da kann man sich selbst als Kulturmanager doch wirklich stolz und glücklich preisen. Man sollte es aber nur dort laut verkünden, wo es die Kunst- und Kulturmanager in Emden nicht hören!
Was würde man in der Kunsthalle Emden wohl davon halten?: “Die Großvorhaben der Kulturentwicklung in Nürnberg – Junge Kunst im Labor“!
Vielleicht mag der geneigte Leser einmal spekulieren, doch zuvor noch ein paar faktische Informationen, um die Erfolge der Kunsthalle in Emden mit einer Einwohnerzahl von 51.000 und mit einem Umland von "viel Nordsee" nochmals in Erinnerung zu rufen:
Emil Nolde Ausstellung: 46.000 Besucher,
Edvard Munch Ausstellung: 120.000 Besucher!
Das waren nur die Highlights.
Über das Jahr kommen , durch gute Organisation und ein hervorragendes Managment geführt und gelockt, Kunstinteressierte aus ganz Deutschland .
Sie werden in Emden nicht enttäuscht.
Also, was will man denn in Nürnberg?
Beste Grüße
Chri Ma-Fe

Bild von Liedel

Abriss des Milchhofs in Nürnberg

Vertane Chance
Die Idee kommt viel zu spät. Die Abrissbirne hat längst vollendete Tatsachen geschaffen. Von dem einstmals denkmalgeschützten Milchhof in Nürnbergs Osten sind nur noch Restmauern übrig.
Dennoch sei ein nachträgliches Gedankenspiel erlaubt. Wäre diese Örtlichkeit mit ihren
vielen großflächigen Hallen und Räumen nicht eine Chance gewesen, hier einen Kunsttempel mit einmaligen Möglichkeiten für Ausstellungen und anderen kulturellen Veranstaltungen einzurichten? Das eindrucksvolle architektonische Erbe Otto Ernst Schweizers hätte wahrlich einen würdigen Rahmen gegeben.
Der Mangel an einer repräsentativen Ausstellungsmöglichkeit in Nürnberg, der von vielen Kunst-und Kulturschaffenden immer wieder bedauert wird, hätte mit dem ehemaligen Milchhofgelände behoben werden können. Erkannt haben diese Chance alternative Sprayer, die in dem ganzen Komplex ihre Graffitis hinterlassen hatten.
Natürlich wären finanzielle Kraftakte nötig gewesen, um die seit Jahren teilweise zerstörten
Baukomplexe zu retten und umzubauen. Doch hätte Nürnberg dann ein Kulturzentrum gehabt, das den Vergleich mit anderen Städten, in denen es gelungen ist, ehemalige Industriebauten zu renovieren und der Kunst zuzuführen, nicht hätte scheuen brauchen.
Vielleicht könnte das Negativbeispiel Milchhof in zukünftigen Fällen dazu führen, rechtzeitig
zumindest diesbezügliche Planspiele durchzuführen und deren Realisierung ernsthaft in Betracht zu ziehen.

gez: Herbert Liedel