
Nürnbergs Kulturkauderwelsch nimmt kein Ende und überrascht immer wieder mit neuen Wordkreationen und Werbeaktionen. Wo würden Sie Ihre Brötchen kaufen? Im Backhaus oder im Bäckerhaus, das sich im Backhaus befindet?
Vor ähnlichen überflüssigen Irritationen, wie bei dieser erfundenen tautologischen Fragestellung stehen Nürnberger vor dem Besuch einer Veranstaltung im städtischen Kulturbetrieb. Denn nicht selten ist in der Presse zu lesen: „Auch in der Diskussion um die Zukunft des Kunsthauses, das im Künstlerhaus liegt..."
Zitat aus dem Feuilleton der NN vom 7.11.08. Eine halbe Zeitungsseite versucht dem Leser die Begriffe der verschiedenen Kultureinrichtungen zu erklären, dies unter der Sub-Headline „Verwirrende Vielfalt: Das KuKuQ im Überblick“.
Bild im Schaufenster: Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers Wolfgang Harms, Auszug aus seinem Gemälde „Mondvögel beäugt“ - oder Nürnberger Persönlichkeiten beäugen das Kultur- und Kunstleben in Nürnberg. Albrecht Dürer, Michael Mathias Prechtl und viele andere – was würden die dazu sagen?
Kein Wunder, dass sich selbst Nürnbergs Kulturinsider hart tun, Angebote der Kunst und Kultur wahrzunehmen, weniger mit der Szene Vertraute sich nicht auskennen und Auswärtige den Kopf schütteln. Kein gutes Zeichen für die Strukturen der Nürnberger Kunstszene. Was findet wo statt, wer ist für welches Haus zuständig? Welche Funktionen soll welche Institution ausfüllen? Was verbirgt sich hinter Norishalle, Kunsthalle, Kunsthaus, Künstlerhaus, Fränkischer Galerie, Kulturzentrum K4? Was ist KuKuQ (KunstKulturQuartier der Stadt Nürnberg)?
Solche Wortkreationen, kreiert im Windschatten zeitgeistgefälliger Effekthascherei, verlieren schnell ihre gagige Wirkung. Was bleibt ist Unklarheit und Ratlosigkeit, Desinteresse und Ablehnung sind die Folge. Schade, soll doch gerade das Gegenteil erreicht werden: Interesse, Neugier, Kommunikation, Partizipation an der Kunst. Warum gibt man den Häusern nicht einfache gezielte Namen, unter denen sich jeder etwas Konkretes vorstellen kann z.B.: Michael-Mathias-Prechtl-Haus oder Oskar-Koller-Halle. Eine schöne Reminiszenz an große fränkische Künstler nebenbei und die Örtlichkeit mit Funktion prägt sich wie von selbst im Gedächtnis ein.
Gewarnt sei jedoch, den Verlockungen von Sponsoren zu erliegen und kurzlebige, unpopuläre und marktschreierische Werbeslogans als Namensnennung einzuführen. So geschehen bei der Umbenennung des Frankenstadions: zu Gunsten finanzieller Vorteile wurde auf die Identifikation schaffende Namensnennung „Max-Morlock-Stadion“ verzichtet.
Unser Appell: Rasche Beendigung der Sprachpanscherei. Mehr Transparenz! Es wäre doch schade, wenn die Nürnberger ihre kulturellen Schmankerln nicht ebenso problemlos aussuchen und genießen könnten wie ihre Brötchen oder die „kleinen“ Nürnberger Bratwürste: „3 im Weggla“ (nur Dialekt und keine Sprachpanscherei)
Mehr bleibt in Nürnberg auch nicht übrig!
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