
In den frühen 20er Jahren erlangte der junge Otto Dix (1891-1969) rasch Berühmtheit mit genau beobachteten Darstellungen aus dem Arbeiter- und Halbweltmilieu, die fast karikaturhaft überzeichnet waren. Diese drastischen Alltagsschilderungen wurden von Matrosen- und Zirkusmotiven begleitet, in denen sich Dix häufig an literarischen Figurerfindungen von Joachim Ringelnatz orientierte.
In den frühen 20er Jahren war, neben der Ölmalerei, die Radierung die das Dixsche Werk bestimmende Technik. Vielfach baute der Künstler Motive und Szenen, die er in der Malerei gefunden hatte, in der Graphik zu Bildserien aus. Dazu gehören die zum Teil humorigen, zum Teil schonungslosen Zirkus- und Matrosenmotive sowie unerbittliche Akt- und Hurendarstellungen. Das Hauptwerk dieser Zeit war jedoch das Gemälde „Schützengraben“ (1920-23), in dem Dix seine Erfahrungen des Ersten Weltkriegs verarbeitete. Aus diesem Motiv entwickelte er eine 50 Radierungen umfassende Graphikserie, die die Grauen des Krieges ungeschönt darstellte.
In dem Triptychon „Krieg“ (1929- 32) fand Dix’ Auseinandersetzung mit dem Geschehen seinen vorläufigen Abschluss. Im Gegensatz zu den Künstlern des Expressionismus bediente sich der etwas jüngere Otto Dix lange Zeit einer aufwändigen Malweise, bei der die Farbe nicht direkt auf die Leinwand aufgetragen, sondern in altmeisterlicher Manier das Bild mit sorgfältigen Grundierungen und lasierenden Farbaufträge aufgebaut wird.

Das Bild „Vanitas“ (1932) ist mit seiner raffinierten Lichtführung ein wichtiges Beispiel für die gekonnte Maltechnik des Künstlers. Das Motiv der Vergänglichkeit verweist zudem auf die symbolhaften Bilderfindungen von Dix, die früh auch religiöse Themen einschließen. Bevor sich Dix in den späten 30er Jahren, nach der Stigmatisierung seiner Arbeiten als „entartet“, ganz auf die Landschaftsmalerei konzentrierte, hatte er sich in allegorischen und religiösen Bildern mit dem Zeitgeschehen auseinandergesetzt.
Nach 1945 kulminiert diese Beschäftigung in Darstellungen der Leiden Christi. Dix war ein kritischer Beobachter seiner selbst und fertigte an die 160 Selbstbildnisse an, von denen etliche in graphischen Techniken ausgeführt sind. Der arroganten, dandyhaften Darstellung Anfang der 20er Jahre folgten ungeschönte, harte Bildnisse, bis zum Bild „Selbst als Totenkopf“ ein Jahr vor seinem Tod.
Mit der Geburt seiner Kinder Mitte der 20er Jahre entwickelte sich der rigorose Chronist zu einem liebevollen Beobachter der kindlichen Welt. Dies setzte sich nach 1945 in weichkonturierten Mädchenporträts und vor allem in üppigen, farbreichen Schilderungen der bäuerlichen Umgebung am Bodensee fort. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg tritt die Lithographie an die Seite der Malerei. Auch in dieser Zeit greift Dix markante Motive seiner Gemälde in graphischen Blättern wieder auf, z. Bsp. „Bauer mit Stier“ von 1949 oder „Hahn und Katze“ von 1955.

Die Ausstellung präsentiert die Ende der 1980er Jahre aus dem Nachlass des Künstlers erworbene Sammlung der ZF Passau, die etliche seltene Zustands- und Probedrucke beinhaltet. Dieser Bestand ermöglicht einen vertiefenden Blick auf das vermeintlich bekannte Werk von Otto Dix.
Der Maler Otto Dix, 1891 in Gera geboren, 1969 in Singen gestorben, zählt zu den bedeutendsten Künstlern der klassischen Moderne in Deutschland. Aus Anlass seines 40. Todestages präsentiert das Museum Moderner Kunst im Rahmen der Europäischen Wochen 2009 mit der Dix-Sammlung der Kulturstiftung der ZF Passau einen einzigartigen Überblick über das Gesamtschaffen des Künstlers.
Seine expressiven, sozialkritischen Darstellungen einer teils enthemmten, teils verelendeten Gesellschaft aus der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg machten Otto Dix schnell berühmt. Er war ein deutscher Maler und Grafiker der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus.
Ausstellung: Otto Dix. Zum 40. Todestag vom 13. Juni – 9. August 2009
Quelle: MUSEUM MODERNER KUNST – WÖRLEN gemeinnützige GmbH, Bräugasse 17, D -94032 Passau
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr, Montag geschlossen
Weiterführende Informationen unter: http://www.mmk-passau.de
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